Arnd*s Geschichten

Ich warte auf die U Bahn, es ist spät, ich will endlich heim.
Außer mir scheint keiner unterwegs zu sein. Die Haltestelle ist verlassen kalt und still. So hänge ich meinen Gedanken nach.
Fast wäre ich eingedöst, als mich der harte Klang von Schritten aus dem müden Grübeln reißt. So allein an der Haltestelle schaue ich unsicher auf wer da kommen mag. Die Schritte kommen zügig, sicher näher. Schon biegt eine Frau um die Ecke.
Zielsicher steuert sie den Kasten mit Fahrplänen an. Sie schenkt mir keinen auch nur beiläufigen Blick. Ihre Haltung, ihr Gang wirken irgendwie ... erhaben.

Ich starre sie wohl an, ohne es zu merken. Die Frau hat dieses gewisse Etwas, diese gewisse Aura von Selbstsicherheit und Arroganz, die mich immer so fasziniert und gleichzeitig ängstigt. Gerade als sie auf meiner Höhe ist, wendet sie mir ihren Kopf dann doch leicht zu...

Ihre Augen treffen meinen Blick. Erst jetzt bemerke ich.dass ich sie anstarre. Mein Herz scheint einen Schlag zu überspringen und meine Wangen prickeln abwechselnd heiß und kalt. Schnell senke ich die Augen. Da ist sie an mir vorbei. Ein leiser Hauch ihres Parfums erreicht meine Nase. Irgendwie ist es fast so, als würde ich dadurch markiert - in Besitz genommen  -  zumindest in meiner aufgewühlten Phantasie...

Sofort komme ich mir sehr dumm vor. Erst jetzt merke ich das meine gesenkten Augen nun an den Stiefeln dieser Fru kleben, ihnen wir hypnotisiert folgen. Sie glänzen provozierend im hellen Neonlicht. Funkeln fast neckend spöttisch.Die Absätze schlagen fest und bestimmt auf die Steinplatten des Bodens. Ich höre ihr Klacken, spüre es bis in mein Innerstes. Ich versuche mich zu beherrschen, versuche wegzuschauen, aber ich kann es nich!. Nur noch kurz, einen weiteren Moment schauen, sie schaut ja gerade nicht mal her. Ich bewundere die Reflexe, die über das perfekt schwarze Material dese Stiefel funkeln.
Ich höre meinen eigenen Atem schwer werden, es kommt mir so furchtbar laut vor. Meine Kehle scheint mit einem mal so trocken.
Ich weiß nicht wie lange ich so verloren starre. Dann hebe ich nervös den Blick... zwinge mich endlich nicht so zu starren .. nur um zu bemerken das sie mich nun genau anblickt.
Erwischt....
Ich möchte vor Scham im Boden versinken...
Ihre Blick ist so streng, so taxierend.,, Ein stummer Tadel scheint darin zu liegen.
Ich weiß mir nicht anders zu helfen und schaue schnell fort.Ich versuche zu schlucken, um den Klos im Hals zu bekämpfen, aber mein Mund ist wie ausgetrocknet.Mein Herz hämmert wild. Was sie nun nur denken muß.???
Sie scheint so selbstsicher, die Herrin der Situation.
Ich starre auf den Boden, versuche mich zu fangen. Da ist es wieder, das Klacken ihrer Schritte.  Klack....Klack.--Klack.
Langsam aber bestimmt nähern sich die Schritte.
Sie kommt auf mich zu - steuert mich genau an.
Meine Knie sind so weich wie Butter.
Etwas in mir möchte am liebsten weglaufen, der peinlichen Situation entkommen...
Aber ich kann nicht .. zumal irgendwas in mir zugleich darauf hofft ... hofft auf was eigentlich?
Ich bin so verwirrt.
Sie ist nun ganz nah. Wieder erschnuppere ich ihren Duft.
Erhasche ihn, komme mir dabei vor wie ein Dieb der diesen köstlichen Moment gestohlen hat.  
Ich starre auf den Boden, nun muss ich langsam den Blick heben... sie anschauen.
Alles andere wäre noch peinlicher.
Die Spitzen ihrer Stiefel sind genau auf mich gerichtet. Meine Augen gleiten wieder über dieses schimmernde Schwarz.
Ich merke das ich zittere ... was wird nun geschehen?
Ein Zischen und metallenes Rappeln verkündet das Einfahren einer U-Bahn.
Einem panischen Impuls heraus setze ich mich in Bewegung, haste zu der Bahn die eigentlich gar nicht die meine ist.
Ich vermeide jeden Blick zu ihr.
Stehe geradezu ängstlich vor der Tür der Bahn.
Es scheint ewig zu dauern bis sie sich öffnet.
Dann endlich öffnet sich die Tür rappelnd.
Ich flüchte mich in die Bahn. Irgendwie als würde ich fürchten das im letzten Moment noch etwas geschieht.
Hinter mir schließt sich die Tür wieder. Ruckartig setzt sich die Bahn in Bewegung.
Ich schaue nervös auf den davongleitenden Bahnsteig.
Da steht sie. Ihre Augen genau auf mich gerichtet.
Ist das ein leichtes, spöttisches Lächeln auf ihren Lippen?
Wie eine Siegerin in einer Arena scheint sie da zu stehen.
Und ihr Blick sagt mir: Dich kriege ich noch!